Noch ist es sonnig – aber dunkle Wolken ziehen schon auf

Die von den Herstellern erzwungene Konzentration im Kfz-Handel lässt inzwischen manche Landstriche in Deutschland unterversorgt. So erlaubt Daimler vielen Händlern auf dem Land inzwischen keinen Neuwagenverkauf mehr. (Foto: Markus Burgdorf)

Nein, ich bin kein Berufspessimist – und die aktuellen Zulassungszahlen sind ja auch wirklich gut. Und das nicht nur hierzulande, sondern auch international. Selbst Volkswagen, deren Fahrzeuge eigentlich an Beliebtheit verloren haben müssten, verkauft recht ordentlich. Gut, es gibt Einbußen, aber bei weitem weniger als erwartet.

Also eigentlich ein Grund zu feiern! Es läuft richtig rund und die Werke sind ausgelastet, der Vertrieb zufrieden, die Händler einigermaßen auch.

Gut, die klagen natürlich immer, die Margen beim Verkauf sind so zurückgegangen, dass mancher Verkauf sich als Zuschussgeschäft herausstellt. Und die Dominanz der Hersteller, die bei immer mehr kleinen Händlern den Stecker ziehen, ist natürlich auch wirklich unschön. Nebenbei, liebe Vertriebsprofis bei den Automobilherstellern: Das nervt auch den Kunden, wenn er dann zur nächsten Inspektion 50 Kilometer fahren muss, nur weil er auf dem Land wohnt.

Die von den Herstellern erzwungene Konzentration im Kfz-Handel lässt inzwischen manche Landstriche in Deutschland unterversorgt. So erlaubt Daimler vielen Händlern auf dem Land inzwischen keinen Neuwagenverkauf mehr. (Foto: Markus Burgdorf)
Die von den Herstellern erzwungene Konzentration im Kfz-Handel lässt inzwischen manche Landstriche in Deutschland unterversorgt. So erlaubt Daimler vielen Händlern auf dem Land inzwischen keinen Neuwagenverkauf mehr. (Foto: Markus Burgdorf)

Dass der Mercedes-Händler in der nordrhein-westfälischen Kleinstadt selbst keine Neuwagen mehr verkaufen darf  – und wenn ein Kunde tatsächlich darauf besteht – Hilfe von der nächsten Niederlassung anfordern muss. Und wenn der gleiche Händler am Premieren-Sonnabend auch nicht eine einzige neue E-Klasse vorweisen kann, tja, dann geht der in seiner Verzweiflung Ssangyong in die Fänge, stellt sich den Hof voll mit nahezu unverkäuflichen Neu- und Vorführwagen der koreanischen Marke und versucht die dann mit viel Zureden zumindest zum Einkaufspreis loszuwerden. Das klappt natürlich auch nicht, aber es ist ein verzweifelter Versuch…

Nun – bis auf diese Kleinigkeiten läuft der Markt doch, oder? Wären da nicht diese unseligen Diskussionen:

Da will man nun den Diesel aus der Stadt verbannen. So ein Unfug! Nur mal zur Erinnerung: Im ersten Halbjahr 2016 wurden 46,5 Prozent aller 1,7 Millionen in Deutschland neu zugelassenen Pkw mit einem Dieselmotor ausgeliefert. Die meisten davon noch mit Euro5 Motoren. Und das sind jetzt die, die bald nicht mehr in die Städte dürfen? So ein Quatsch, liebe Lokalpolitiker und Umweltaktivisten.

Fangt doch erst einmal mit den Bussen an, die den ganzen Tag durch die Stadt fahren, dann nehmt Euch die komunalen Fahrzeuge vor, zum Beispiel Eure eigenen Müllwagen, Eure Straßendienst-Unimogs und den ganzen Fuhrpark aller städtischen Betriebe. Die sind nämlich fast rund um die Uhr innerhalb der Stadtgrenzen unterwegs – und von denen geht ein nicht zu unterschätzender Anteil der Verschmutzung aus.

Dann schaut Euch die Messergebnisse nochmal an – und dann reden wir gerne nochmal, ob ein Dieselfahrer, der einmal rein und wieder raus fährt, ob der wirklich ausgesperrt werden sollte. Oder ist das Ganze nur ein Trick, über den man die Stadtkassen sanieren möchte? Zum Beispiel durch Ausgabe von Tages-Einfahrmarken oder Ausnahmegenehmigungen, die natürlich gebührenpflichtig sind? Im Ausland gibt es solche “Eintrittspreise” für Innenstadtbereiche bereits, zum Beispiel in London. Aber man muss sich ja nicht am Schlechtesten orientieren, oder?

Auch über das Elektroauto wird ja gerne diskutiert. Über Prämien für die Käufer. Und warum denn keiner die so umweltschonenden Fahrzeuge kauft. Dabei ist das eigentlich ganz einfach:

So lange Reichweite und “Elektroauto” nicht kompatibel sind, wird sich daran auch nicht ändern.

Wer hat schon Lust, nach jedem Brötchenholen (könnte man auch zu Fuß oder mit dem Fahrrad machen) sein Auto an die Steckdose anzuschließen? Die bisherigen Reichweiten im Elektromodus sind einfach nicht kompatibel zu dem, was der Kunde erwartet und braucht. Punkt.

Nun sollen die Leute gezwungen werden, auf Elektroautos umzusteigen. Der Diesel wird verteufelt, der ist jetzt die Drecksau, die die Umwelt verpestet und so Millionen Menschen tötet, den Benziner lässt man noch in Ruhe, der kommt dann als nächstes dran. Wer als Feigenblatt einen Hybrid kauft, ist schon irgendwie trendy, selbst wenn er die Elektromobilität nach ein, zwei Mal ausprobieren  dann doch nicht nutzt.

Jetzt hört man die Jungs am Stammtisch schon wieder sagen, dass die deutsche Automobilindustrie da total schläft und sich zum Beispiel von Tesla die Butter vom Brot nehmen lässt. Ich widerspreche dann immer und sage, die Industrie sucht händeringend nach Möglichkeiten, die Reichweite deutlich zu erhöhen, aber sie schafft es noch nicht. Es sind in der Weiterentwicklung immer Zielkonflikte zu überwinden – und die Effizienz der Akkus reicht halt noch nicht aus. Es ist aber nur eine Frage der Zeit, bis das gelingt. Und dieses Rennen läuft auf Hochtouren.

Die “klassischen”Automobilhersteller müssen bislang ihre Entwicklungsressourcen aufteilen, denn bis heute ist keiner radikal genug, um auf die Weiterentwicklung konventioneller Motoren zu verzichten – hier braucht es aber eine Radikalisierung, damit der Anschluss nicht verpasst wird. Fakt ist, dass das Elektroauto von der Politik gewollt ist und deshalb muss die Industrie liefern. Und zwar Fahrzeuge, deren Akkus vergleichbar lange halten, wie heute eine Tankfüllung und Akkus, die sich besonders schnell auch unterwegs aufladen lassen. Das wäre mal ein Anfang.

So läuft dann auch die Elektroauto-Prämie noch weitestgehend ins Leere. 4.000 Euro für ein Elektroauto (die Hälfte vom Staat, die andere vom Hersteller) – doch schaut man sich die Preisnachlässe an, dann werden diese viertausend Euro nicht obendrauf gegeben, sondern verlieren sich in Rabatten, die ohnehin schon höher sind. Und selbst wenn man diese Prämie spüren würde – wer tauscht schon gerne Reichweite gegen die viel zu schnell notwendige Suche nach der Steckdose? Da sind diese Euros als Schmerzensgeld den Leuten nicht genug.

Markus Burgdorf

Über Markus Burgdorf 187 Artikel
Markus Burgdorf arbeitet seit über 25 Jahren im Automobilbereich, zuerst als Journalist, dann als Leiter Öffentlichkeitsarbeit namhafter Zulieferer, heute als freier Berater und Geschäftsführender Gesellschafter der deutschen PR- und Internet- Agentur Avandy GmbH.

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