Absatzboom in China und Indien – Pkw-Verkäufe in Westeuropa erneut im Plus

Die Pkw-Nachfrage hat im Juli aufgrund der sich stabilisierenden Rahmenbedingungen und der vielfältigen Incentives weltweit angezogen. Insbesondere in den asiatischen Wachstumsmärkten ist der Pkw-Absatz kräftig gestiegen. Auch in vielen europäischen Ländern zeigen sich deutliche Belebungstendenzen. Damit hat sich die Automobilkonjunktur im Juli auf wichtigen Auslandsmärkten weiter stabilisiert.

Frankreich erzielte im Juli ein Absatzplus von 3 Prozent – bis einschließlich Juli lagen die Neuzulassungen damit leicht über dem Vorjahresniveau. Der italienische Pkw-Markt verbuchte im Juli eine Absatzsteigerung von gut 6 Prozent; im bisherigen Jahresverlauf blieben die Verkäufe jedoch noch um 8 Prozent hinter dem Vorjahr zurück. In Großbritannien verzeichnete der Absatz im Juli mit 157.100 Pkw erstmals seit April 2008 wieder einen Zulassungsanstieg (+2 Prozent). Dabei entfielen über die Hälfte des Zuwachses auf deutsche Marken. In Spanien lagen die Zulassungen im Juli mit minus 11 Prozent zwar erneut unter Vorjahresniveau, dennoch setzt sich auch auf dem spanischen Pkw-Markt die seit drei Monaten zu beobachtende Abflachung der Absatzrückgänge fort.

Insgesamt konnte in Westeuropa der Pkw-Absatz im Juli im zweiten Monat in Folge um 5 Prozent auf 1,2 Mio. verkaufte Fahrzeuge gesteigert werden. Seit Anfang des Jahres liegen die Neuzulassungen aber noch knapp 8 Prozent unter dem Vorjahr. Die deutschen Hersteller waren in den meisten Ländern sehr erfolgreich und konnten ihren Marktanteil um nahezu einen Prozentpunkt auf über 47 Prozent ausbauen. Das Marktgeschehen in Westeuropa wird weiterhin durch zahlreiche nationale Abwrackprogramme gestützt. Selbst wenn man die Pkw-Neuzulassungen in Westeuropa ohne Deutschland betrachtet, wo es im Juli prämienbedingt zu einer Fortsetzung des Absatzbooms (+30 Prozent) kam, verzeichnete der westeuropäische Markt im vergangenen Monat nur noch einen leichten Rückgang von 2 Prozent.

In den neuen EU-Ländern ist ebenfalls eine allmähliche Bodenbildung auf niedrigem Niveau erkennbar. Im Juli lag der Pkw-Absatz mit minus 21 Prozent zwar noch deutlich unter dem Vorjahreswert, gegenüber Juni erzielten die osteuropäischen Länder im saisonbereinigten Vergleich jedoch ein leichtes Plus. Wachstumsträger waren die Slowakei (+39 Prozent), Tschechien (+9 Prozent) und Polen (+5 Prozent), während die anderen Märkte in Osteuropa auch im Juli von Absatzrückgängen im zweistelligen Bereich betroffen waren.

Der russische Pkw-Markt lässt dagegen noch keine Anzeichen für ein Ende der Talfahrt erkennen. Mit einem erneuten Absatzeinbruch von 58 Prozent im Juli ist der einstige Wachstumsmarkt seit Beginn des Jahres um die Hälfte geschrumpft. Die Regierung plant nun die Einführung einer Abwrackprämie in Höhe von 50.000 Rubel
(ca. 1.100 Euro) für den Kauf eines in Russland produzierten Neuwagens, um die heimische Automobilindustrie vor weiteren Einbrüchen zu stützen.

In den USA hat das in der letzten Juliwoche eingeführte Abwrackprogramm auf dem Markt für Light Vehicles rasch gewirkt und zu einer Eindämmung des Abwärtstrends der vorangegangenen Monate geführt. Mit knapp 1 Mio. Fahrzeugen wurden im Juli zwar noch 12 Prozent weniger Pkw und Light Trucks als im Vorjahresmonat verkauft, der Rückgang war im Vergleich zu den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres jedoch deutlich geringer. Mittlerweile wurde das Budget für dieses Programm auf 3 Mrd. US-Dollar aufgestockt; von einer deutlichen Nachfrageverbesserung für die kommenden Monate ist daher auszugehen. Bis einschließlich Juli wurden in den USA 5,8 Mio. Light Vehicles (-32 Prozent) verkauft. Die deutschen Hersteller konnten hierbei ihren Marktanteil um fast einen Prozentpunkt auf 7,3 Prozent steigern.

In Brasilien lagen die Neuzulassungen von Light Vehicles im Juli mit 273.600 Einheiten leicht über dem Wert des Vorjahres. Seit Jahresbeginn wurden auf dem brasilianischen Markt 1,7 Mio. Fahrzeuge abgesetzt (+4 Prozent). Die Automobilbranche wurde in den vorangegangenen Monaten durch ein staatliches Förderprogramm mit Steuervergünstigungen gestützt, dessen Auslaufen zunächst auf Ende Juni festgelegt war, nun aber bis Ende des Jahres verlängert wurde.

In Asien entwickelte sich der Pkw-Absatz im Juli ebenfalls positiv. So wurden in Japan im Juli mit 372.400 Fahrzeugen zwar noch 3 Prozent weniger Pkw als im Vorjahr registriert. Die Anzeichen einer Stabilisierung nehmen jedoch auch hier zu: So stieg der Absatz gegenüber dem Vormonat saisonbereinigt um 12 Prozent.

Der chinesische Automobilmarkt läuft mit immer höherer Drehzahl: So kletterten die Neuzulassungen im Juli um 64 Prozent auf 678.000 Pkw. Damit konnten seit Anfang des Jahres die Verkäufe in der Volksrepublik um ein Viertel gesteigert werden. Auch der indische Pkw-Markt verzeichnete im Juli einen Wachstumsschub und erzielte mit 148.000 Fahrzeugen eine Absatzsteigerung von 29 Prozent – im Jahresverlauf ein Plus von 6 Prozent.

Über Markus Burgdorf 187 Artikel
Markus Burgdorf arbeitet seit über 25 Jahren im Automobilbereich, zuerst als Journalist, dann als Leiter Öffentlichkeitsarbeit namhafter Zulieferer, heute als freier Berater und Geschäftsführender Gesellschafter der deutschen PR- und Internet- Agentur Avandy GmbH.

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