1,6 Millionen Pkw Neuzulassungen im ersten Halbjahr 2011 – 10 Prozent über Vorjahr

„Die Halbzeitbilanz des Automobiljahres 2011 ist sehr erfreulich: Die Pkw-Neuzulassungen sind im ersten Halbjahr 2011 um 10 Prozent auf gut 1,6 Mio. Einheiten gestiegen. Export und Produktion haben ebenfalls zulegt. Die gute Automobilkonjunktur zeigt sich auch an der um 13.000 Mitarbeiter höheren Beschäftigtenzahl in dieser Schlüsselindustrie“, betonte Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), auf der VDA-Halbjahrespressekonferenz in Berlin. Auch für das zweite Halbjahr ist Wissmann zuversichtlich: „Wir sind weiter auf Wachstumskurs. Für das Gesamtjahr erwarten wir neue Höchststände beim Pkw-Export und der Produktion. Auf dem Inlandsmarkt rechnen wir mit über 3,1 Mio. Pkw-Neuzulassungen.“ Die Juni-Zahlen sollten, so Wissmann, nicht fehlinterpretiert werden: Im Vergleich zum Vorjahresmonat standen zwei Arbeitstage weniger zur Verfügung.

Sorgen bereitet dem VDA-Präsidenten allerdings die Preisentwicklung an der Zapfsäule: „Für ein gutes Autojahr brauchen wir hier eine nachhaltige Preisberuhigung. Der Anstieg des Autokostenindex seit Januar 2011 um mehr als 4 Prozent ist vor allem auf die deutliche Verteuerung der Spritpreise zurückzuführen. Allein die Kraftstoffkosten sind um über 11 Prozent in die Höhe geschossen. Die Neuwagenpreise hingegen blieben stabil.“ Wissmann erinnerte daran, dass bereits im Vorjahr die Spritpreise deutlich zugelegt hatten und fügte hinzu: „Die aktuelle Beruhigung an den Mineralölmärkten können wir noch nicht als Entwarnung werten.“

Im ersten Halbjahr haben die deutschen Hersteller im Inland rund 3,0 Mio. Pkw gefertigt (plus 5 Prozent), ein neuer Höchststand. Die Kapazitätsauslastung in der gesamten deutschen Automobilindustrie beträgt 89 Prozent, bei den Pkw-Herstellern 92 Prozent. Die Auftragsbücher sind „gut gefüllt“, der inländische Auftragseingang stieg im ersten Halbjahr um 15 Prozent. Wissmann betonte: „Die Wachstumsdynamik in der Pkw-Produktion wird sich im weiteren Jahresverlauf etwas verlangsamen, allerdings auf hohem Niveau. Für das Gesamtjahr 2011 rechnen wir mit einem Produktionsvolumen von über 5,9 Mio. Pkw. Das würde auch das Volumen des bisherigen Rekordjahres 2008 toppen.“

Der Pkw-Export konnte bis Juni um 6 Prozent auf 2,3 Mio. Pkw erhöht werden. Die Auslandsorder entwickelten sich mit plus 13 Prozent weiter erfreulich. „Die Prognose von mehr als 4,5 Mio. exportierten Pkw für das Gesamtjahr 2011 gilt weiterhin. Wir sind damit auch beim Export auf einem guten Weg zu einem neuen Höchststand“, betonte Wissmann.

„Weltweit ist die deutsche Automobilindustrie gut aufgestellt. In China steigt unser Marktanteil im dritten Jahr in Folge; aktuell liegt er bei 21 Prozent“, so Wissmann. Der chinesische Markt werde 2011 um 8 Prozent steigen. Der indische Pkw-Markt konnte im bisherigen Jahresverlauf um gut 18 Prozent zulegen. In Brasilien erhöhte sich die Nachfrage seit Jahresbeginn um über 7 Prozent. In Russland legte der Absatz – bedingt durch das dortige Prämienprogramm – um 60 Prozent auf beinahe 1 Mio. Einheiten zu.

Auch in den USA wachsen die deutschen Hersteller schneller als der Markt – und das bereits im siebten Jahr in Folge: Im ersten Halbjahr 2011 haben sie den Absatz von Light Vehicles (Pkw und Light Trucks) um 17,3 Prozent auf rund 490.000 Einheiten gesteigert, während der Gesamtmarkt um 12,7 Prozent zulegte.

Im Juni haben die deutschen Marken sogar noch die Geschwindigkeit erhöht: Während der gesamte Light-Vehicles-Markt um knapp 7 Prozent stieg, war das Wachstum der deutschen Hersteller mit 21,7 Prozent mehr als dreimal so hoch. Ihr Pkw-Marktanteil im Juni liegt bei 12,8 Prozent, im ersten Halbjahr beträgt er 11,3 Prozent. Im Light-Truck-Bereich (SUV, CUV, Vans, Pickup) konnten die deutschen Marken im Juni ihren US-Absatz um eindrucksvolle 43,4 Prozent steigern – fast fünf Mal so schnell wie der gesamte US-Light-Truck-Markt (plus 9,2 Prozent).

„Unsere Hersteller haben die strategisch richtige Entscheidung getroffen. Die CO2-effizienten Modelle aus ihren nordamerikanischen Werken treffen auf die passende Nachfrage: Bei steigenden Spritpreisen greift auch der US-Kunde zu sparsameren Motoren“, betonte Wissmann. Der Clean Diesel erfreue sich zunehmender Beliebtheit bei US-Kunden. Auch die US-Regierung habe die CO2-Effizienz dieser Antriebsart erkannt, sagte Wissmann und verwies auf jüngste Äußerungen des US-Verkehrsministers Ray LaHood, wonach die USA täglich 1,4 Mio. Barrel Öl sparen könnten, wenn ein Drittel aller Autos mit Clean-Diesel-Antrieben ausgerüstet würden.

In Westeuropa beträgt der Marktanteil deutscher Pkw-Hersteller über 47 Prozent. Wissmann: „Westeuropa bleibt – bei aller Freude über unsere Erfolge in den Schwellenländern – unser Heimatmarkt. Dieser Markt, der in diesem Jahr knapp 13 Mio. Neuwagen nachfragen wird, ist weiterhin ein stabiler Anker unserer Industrie.“

Der Nutzfahrzeugmarkt in Deutschland lege weiter mit „beeindruckender Geschwindigkeit“ zu. In der Klasse bis 6t stiegen die Neuzulassungen im ersten Halbjahr um 19 Prozent. Im Gesamtjahr werde der Absatz von Transportern um 11 Prozent auf 225.000 Einheiten zulegen. In der schweren Klasse (über 6 t) lag das Marktwachstum bis Juni bei 41 Prozent. Für das Gesamtjahr erwartet der VDA-Präsident hier einen Markt von 92.000 Fahrzeugen (plus 24 Prozent).

Das internationale Nutzfahrzeuggeschäft zeige sich im bisherigen Jahresverlauf auf vielen Auslandsmärkten sehr belebt, auch wenn das Vorkrisenniveau in den meisten Ländern noch nicht wieder erreicht sei. Auch die Hersteller von Aufbauten und Anhängern profitierten von der hohen Nachfrage nach Transporten im Zuge der robusten Binnenkonjunktur und des guten Exportgeschäfts.

Die gut laufende Automobilkonjunktur schlage sich inzwischen deutlich auf dem Arbeitsmarkt nieder, betonte der VDA-Präsident. In der Stammbelegschaft der deutschen Automobil-industrie sind derzeit 718.100 Mitarbeiter direkt beschäftigt. Damit wurden gegenüber dem Vorjahresmonat nahezu 13.000 Arbeitnehmer zusätzlich fest eingestellt. Hinzu komme die gestiegene Zahl von Zeitarbeitern.

Wissmann unterstrich: „Angesichts der erfreulichen Zahlen könnte man fast den Eindruck gewinnen, es gäbe keinerlei Wolken am automobilen Horizont. Das ist natürlich nicht der Fall. Wir haben eine Reihe von Herausforderungen vor uns, die wir anpacken. Wir sind auf gutem Weg. Aber: Damit diese global aufgestellte Industrie ihren Kurs weiter erfolgreich verfolgen kann, müssen weltweit wesentliche Rahmenbedingungen erfüllt sein. Dazu gehören stabile Finanzmärkte, berechenbare Rohstoffmärkte mit einer verlässlichen Versorgungslage, und nicht zuletzt Wechselkurse, die nicht durch erratische Schwankungen geprägt sind.“

„Was wir selbst tun können, tun wir“, betonte der VDA-Präsident und verwies auf die hohen Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen von jährlich rund 20 Mrd. Euro: „Das ist einer der wesentlichen Gründe für die Innovationsgeschwindigkeit, mit der unsere Unternehmen unterwegs sind, neue Produkte entwickeln, Marktanteile gewinnen und intelligentes Wachstum generieren.“

Die Innovationskraft werde anhand der Erfolge bei CO2-Minderung besonders deutlich: „Denn weniger CO2-Emission heißt weniger Spritverbrauch pro 100 Kilometer. Gleichzeitig haben wir den Anspruch, die hohen Standards unserer Fahrzeuge bei Sicherheit, Komfort und Design weiter auszubauen. Nur dann ist das Angebot für die Kunden wirklich attraktiv“, sagte Wissmann und fügte hinzu: „Wir kommen bei der CO2-Reduzierung schneller voran als die Wettbewerber.“

In den ersten fünf Monaten 2011 liegt der durchschnittliche CO2-Wert der in Deutschland neu zugelassenen Pkw deutscher Konzernmarken bei nur noch 148,0 g/km (minus 4,2 Prozent). Die Importmarken hingegen konnten den CO2-Wert ihrer Neuzulassungen nur um 2,9 Prozent senken. „Obwohl die deutschen Marken mehr Fahrzeuge in den oberen Segmenten haben, sind wir nur noch 0,8 Gramm vom Durchschnittswert (147,2 g/km) entfernt – ein eindrucksvoller Beleg für die hohe Effizienz der neuen Modelle unserer Hersteller“, so Wissmann. Die deutschen Konzernmarken haben in allen zehn Fahrzeugsegmenten im Durchschnitt einen niedrigeren CO2-Wert als die Importeure. „Und in fünf Segmenten stellen wir sogar den CO2-Champion, also das Modell mit dem niedrigsten CO2-Wert“, unterstrich der VDA-Präsident.

Die Zahl besonders emissionsarmer Modelle deutscher Hersteller mit einem CO2-Wert von bis zu 130 g/km (das entspricht einem Kraftstoffverbrauch von weniger als 5 l/100 km) hat sich seit 2007 versiebenfacht und liegt aktuell bei 340 unterschiedlichen Modellen. An diesen raschen Fortschritten haben laut Wissmann auch die Zulieferer einen großen Anteil, etwa durch Leichtbau, energiesparende Komponenten für Fahrwerk, Motor und Getriebe sowie die Entwicklung alternativer Antriebssysteme.

Allerdings machten steigende Energie- und Rohstoffpreise den Unternehmen stark zu schaffen. Sie suchten daher permanent Einsparpotenziale und achteten auf hohe Energieeffizienz. Dennoch: Der Druck auf die Margen mittelständischer Unternehmen, die Metalle, Gummi, Kunststoffe oder Lacke verarbeiten, nehme zu. Wissmann betonte: „Eine Weitergabe der höheren Kosten an den Kunden ist kurzfristig kaum umsetzbar. Zulieferer und Hersteller brauchen nach der Krise wieder stabile Planungssicherheit, langfristige Verträge mit ihren Rohstofflieferanten und – angesichts des intensiven internationalen Standortwettbewerbs – vor allem sichere und bezahlbare Energie.“

Sorgen gebe es auch bei aktuellen Handels- und Zollfragen. Wissmann: „Für die deutsche Automobilindustrie sind offene Märkte von entscheidender Bedeutung. Drei von vier in Deutschland gebauten Autos gehen in den Export. Handelsschranken, wie hohe Zölle oder andere Einfuhrhemmnisse, können langfristig zur Produktionsverlagerung ins Ausland führen.“

Wissmann erläuterte abschließend den „wichtigsten Termin des Automobiljahres 2011“: Die 64. Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) Pkw, die am 15. September in Frankfurt am Main von Bundeskanzlerin Merkel eröffnet wird. „Die IAA hat – gerade auch im Krisenjahr 2009 – ihre Position als weltweit wichtigste Mobilitätsmesse weiter ausgebaut. Für die IAA 2011 sind wir sehr zuversichtlich – auch aufgrund des konjunkturellen Rückenwinds, den unsere Aussteller spüren. Wir erwarten rund 900 Aussteller. Damit liegen wir klar über der Ausstellerzahl der vorangegangenen IAA Pkw.“ Bei der diesjährigen IAA werden voraussichtlich 210.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche belegt (ein Plus von 15.000 Quadratmetern gegenüber 2009). Hersteller aus den USA und Asien, die 2009 krisenbedingt nicht dabei waren, werden wieder ausstellen, andere Firmen sind erstmals auf der IAA dabei. Auch der Zulieferbereich wird wieder deutlich stärker beteiligt sein.

2011 bietet die IAA den Besuchern erstmals die Möglichkeit, in der „Halle der Elektromobilität“ das Ecosystem Elektromobilität zur erleben und mit den Anbietern von Elektrofahrzeugen und dazugehörigen Produkten und Dienstleistungen in den Dialog zu treten. Die IAA-Besucher können im Rahmen von Probefahrten und einer Geländewagen-Teststrecke einen Eindruck von neuen Fahrzeugen der Aussteller gewinnen. Zudem gibt es u. a. eine Oldtimersonderschau zum Thema „125 Jahre Automobil“ sowie eine Outdoor-Kartbahn.

Am 21. September führt der VDA gemeinsam mit anderen Industrieverbänden auf der IAA den „Fachkongress Elektromobilität“ durch. Dieser beleuchtet das Ecosystem Elektro-mobilität und damit die gesamte Wertschöpfungskette. Darüber hinaus finden viele weitere Fach- und Länderveranstaltungen mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten statt.

Zur Nachwuchswerbung werden wieder die Schulklassenaktion und die Ingenieur-Nachwuchskampagne „GoIng“ angeboten. Zusätzlich haben Studenten im Rahmen der Aktion „WorkING“ die Möglichkeit, in Kontakt zu Unternehmen zu treten und sich über die Berufsfelder in der Automobilindustrie zu informieren.

Wissmann betonte: „Im Mittelpunkt der IAA stehen natürlich die zahlreichen Weltpremieren der Hersteller mit ihren faszinierenden brandneuen Modellen, die erst in den kommenden Monaten in den Showrooms zu sehen sein werden. Darauf sind wir alle sehr gespannt!“ An den beiden Pressetagen sind insgesamt über 80 Pressekonferenzen eingeplant; über 10.000 Medienvertreter aus aller Welt werden über die IAA berichten.

Über Markus Burgdorf 184 Artikel
Markus Burgdorf arbeitet seit über 25 Jahren im Automobilbereich, zuerst als Journalist, dann als Leiter Öffentlichkeitsarbeit namhafter Zulieferer, heute als freier Berater und Geschäftsführender Gesellschafter der deutschen PR- und Internet- Agentur Avandy GmbH.

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