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Wirtschaftsabschwung belastet Renault-Ergebnis

„Bereits im Juli 2008 haben wir die kommende Krise erkannt und die ersten Maßnahmen ergriffen, um sie zu meistern. Heute zeigt unser positiver Cashflow deutlich, dass wir unsere Position behaupten. Schon jetzt bereiten wir uns auf die Zeit nach der Krise vor. Ab 2011 werden wir mit der Großserienfertigung von Null-Emissionen-Fahrzeugen beginnen, das Modellangebot im Einstiegssegment erweitern, unsere Präsenz in den Schwellenländern stärken und die Synergien mit Nissan noch intensiver nutzen“, sagte Renault Präsident Carlos Ghosn anlässlich der Veröffentlichung der Finanzergebnisse des ersten Halbjahres 2009.

Ergebnis entspricht dem starken Konjunkturabschwung

Renault erzielte im ersten Halbjahr 2009 einen Umsatz von 15,991 Milliarden Euro, was im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einem Verlust von 23,7 Prozent entspricht (21,5 Prozent ohne Wechselkurseinflüsse). Grund dafür ist der starke Konjunkturabschwung in allen Märkten, einschließlich der aufstrebenden Schwellenländer. Der Beitrag aus dem Automobilsektor belief sich auf 15,101 Milliarden Euro und sank um 24,2 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2008. Während das Umsatzergebnis im ersten Quartal mit einem Minus von 30,8 Prozent stark rückläufig war, verzeichnet die Renault Gruppe im zweiten Quartal eine leichte Erholung (-16,9 Prozent). Die global rückläufige Entwicklung beruht auf dem starken Einbruch nahezu aller für die Gruppe relevanten Märkte.

Renault Präsident Carlos Ghosn (Bild: Renault)
Renault Präsident Carlos Ghosn (Bild: Renault)

Die Hälfte des weltweiten Umsatzrückgangs verzeichnet Renault in Europa (-11,6 Prozent), was auch durch die staatlichen Förderprogramme wie die Umweltprämie nicht ausgeglichen werden konnte. Trotz des guten Marktstarts der neuen Renault Modelle Mégane und Scénic entwickelte sich der Produktabsatz hin zu den kleineren Modellreihen. Darüber hinaus leidet das Ergebnis unter der Abschwächung verschiedener Währungen wie dem britischen Pfund und dem polnischen Zloty.

6,8 Prozent der Umsatzrückgänge sind auf den Wirtschaftsabschwung außerhalb Europas zurückzuführen. Dies beruht zum Teil ebenfalls auf den ungünstigen Wechselkursbedingungen der koreanischen, brasilianischen, russischen und rumänischen Währung.

Der rückläufige Verkauf von Aggregaten und Fahrzeugen an verbundene Unternehmen trägt mit 5,8 Prozent zum Umsatzrückgang bei. Der Absatz von Komponenten wurde insbesondere durch den generellen Abbau von Lagerbeständen betroffen. Der Rückgang bei den Transportern erklärt sich durch den europaweiten Abschwung auf dem Nutzfahrzeugmarkt.

Die RCI Banque steuerte 890 Millionen Euro zum Konzernumsatz bei, was einem Rückgang von 14,7 Prozent entspricht.

Die negative operative Marge des Konzerns beläuft sich auf -620 Millionen Euro (-3,98 Prozent des Umsatzes) im Vergleich zu 865 Millionen und 4,1 Prozent im ersten Halbjahr 2008.

Die negative operative Marge des Automobilsektors beträgt minus 869 Millionen Euro (-5,8 Prozent des Umsatzes). Der Rückgang von 1,467 Milliarden Euro gegenüber dem Vergleichszeitraum 2008 beruht auf dem negativen Paritätseffekt von 155 Millionen Euro und dem Absatzrückgang um 978 Millionen Euro auf Grund der schwachen Marktsituation. Dazu kommen negative externe Effekte und der Rückgang der kaufmännischen Mittel um 385 Millionen Euro sowie ein Anstieg der Rohstoffkosten um 176 Millionen Euro. Positiv wirken sich die Maßnahmen zur Kostenreduzierung aus. So konnten die Einkaufskosten um 90 Millionen Euro (ohne Berücksichtigung der Rohstoffkosten) und die allgemeinen Kosten um 106 Millionen Euro gesenkt werden. Die Garantiekosten sanken auf Grund der weiter verbesserten Produkt- und Servicequalität um 110 Millionen Euro. Insgesamt entwickelte sich die operationelle Marge wie auch der Umsatz im zweiten Quartal besser als im ersten Quartal.

Die RCI Banque verzeichnet mit einem operativen Ergebnis von 249 Millionen Euro ein solides Ergebnis. Dies entspricht 28 Prozent des Umsatzes der Finanzsparte.

Das Betriebsergebnis sank auf minus 946 Millionen Euro gegenüber 845 Millionen Euro im Vergleichszeitraum 2008.

Das Finanzergebnis stellt eine Belastung von 181 Millionen Euro dar gegenüber einem positiven Beitrag in Höhe von 315 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2008. Dies ist auf die höhere Verschuldung und die daraus resultierenden Kosten zurückzuführen.

Im Bereich der verbundenen Unternehmen verzeichnet die Renault Gruppe einen Verlust von 1,584 Milliarden Euro. Davon entfallen 1,217 Milliarden auf Nissan, 196 Millionen Euro auf AB Volvo und 182 Millionen Euro auf AvtoVAZ. Das negative Ergebnis von Nissan entwickelte sich nach minus 1,151 Milliarden Euro im ersten Quartal mit lediglich minus 60 Millionen Euro im zweiten Quartal deutlich besser.

Die Renault Gruppe verzeichnet beim Nettoergebnis einen Verlust von 2,712 Milliarden Euro gegenüber einem positiven Ergebnis von 1,581 Milliarden Euro im Vergleichszeitraum 2008.

Das Eigenkapital betrug zum 30. Juni 2009 16,548 Milliarden Euro.

Aktionsplan sichert positiven Cashflow und senkt Nettofinanzverschuldung

Renault hat angesicht des Wirtschaftsabschwungs bereits im Juli 2008 ein Maßnahmenpaket erstellt, das bereits Wirkung zeigt und deutlich zur Verbesserung des Free Cashflows beigetragen hat. Insgesamt beträgt der Free Cashflow im Automobilsektor im ersten Halbjahr 2009 848 Millionen Euro, womit das Planziel übertroffen wurde. Renault konnte schnell seine Kosten reduzieren, Investitionen zurückfahren und seine Lagerbestände abbauen. Gleichzeitig sanken die Entwicklungskosten um 25 Prozent, gegenüber dem ersten Halbjahr 2007. Ursprünglich waren Einsparungen für den Zeitraum 2007-2009 in Höhe von 15 Prozent geplant. Auf Grund des guten Ergebnisses wurden die Ziele neu gesteckt und der Investitionsrückgang auf 20 Prozent reduziert. Die Strukturkosten sanken im ersten Halbjahr 2009 um zehn Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Wert der Fahrzeug-Lagerbestände verringerte sich um 891 Millionen Euro. Der gute Marktstart der neuen Mégane Familie trägt ebenfalls positiv zum Ergebnis bei.

Die Nettofinanzverschuldung der Automobilsparte verringerte sich zum 30. Juni 2009 um 708 Millionen Euro auf 7,236 Milliarden Euro. Dies entspricht einer Quote von 43,7 Prozent des Eigenkapitals (gegenüber 40,9 Prozent Ende 2008).

Zum 30. Juni konnte Renault seine Liquidität gegenüber Ende 2008 verbessern und verfügt über Reserven von 3,4 Milliarden Euro sowie über bestätigte Kreditgarantien von 4,2 Milliarden Euro für den Automobilsektor.

Die Liquiditätsreserven der RCI Banque belaufen sich auf 5,4 Milliarden Euro.

Marktaussicht 2009

Die fiskalischen Maßnahmen haben bereits im ersten Halbjahr positiv auf die Märkte und die Renault Gruppe gewirkt. Renault rechnet damit, dass 2009 weltweit 57 Millionen Fahrzeuge verkauft werden. Damit würde der Gesamtmarkt nur um 12 statt den ursprünglich prognostizierten 15 Prozent zurückgehen. Nach einem Rückgang von 13,7 Prozent im ersten Halbjahr dürfte sich der europäische Markt weiter erholen, so dass mit einem Gesamtergebnis von minus acht Prozent für 2009 gegenüber dem Vorjahr zu rechnen ist.

Renault erwartet positive Impulse durch die Markteinführung des neuen Mégane, der beiden Scénic Modelle und des aktualisierten Clio. Darüber hinaus bringt Renault in Korea die aktualisierten Modelle SM3 und SM5 auf den Markt.

Perspektiven 2009

Renault konzentriert sich weiter auf seine zum Jahresanfang formulierten Ziele: Alle Maßnahmen sind darauf ausgelegt, einen positiven Cashflow und einen steigenden Marktanteil zu erzielen.

Um dies zu erreichen, wird Renault seine Lagerbestände weiter abbauen, seine Außenstände verringern, die Investitionen und Kosten weiter reduzieren sowie seine Effizienz weiter steigern.

Über Markus Burgdorf 184 Artikel
Markus Burgdorf arbeitet seit über 25 Jahren im Automobilbereich, zuerst als Journalist, dann als Leiter Öffentlichkeitsarbeit namhafter Zulieferer, heute als freier Berater und Geschäftsführender Gesellschafter der deutschen PR- und Internet- Agentur Avandy GmbH.
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